Hitzewelle bei Fohlen & Jungpferden: Der ultimative Schutz-Guide

Hitzewelle bei Fohlen & Jungpferden: Der ultimative Schutz-Guide

Fohlen sind in den ersten Lebensmonaten besonders verletzlich – auch und gerade in einer Hitzewelle. Ihre Wärmeregulation funktioniert noch nicht voll, die Haut ist empfindlich, das Immunsystem im Aufbau. In Teil 3 unseres Hitzewellen-Guides zeigen wir dir, was Mutterstute und Fohlen jetzt brauchen, wie du Sonnenbrand und Hitzschlag verhinderst und mit welchen Produkten du den jüngsten Pferden einen sicheren Sommer ermöglichst.

In Teil 1 unseres Guides ging es um die Grundlagen für alle Pferde, in Teil 2 um Senioren und chronisch kranke Pferde. Jetzt der dritte und letzte Teil: Fohlen und Jungpferde in der Hitze. Wer schon einmal ein Fohlen großgezogen hat, weiß: Die ersten Lebensmonate sind eine ganz eigene Welt – und der Sommer kann dabei sowohl Segen als auch Risiko sein.

Warum Fohlen so hitzeempfindlich sind

Fohlen sind keine kleinen Erwachsenen – ihr Körper funktioniert in vielerlei Hinsicht anders. Das macht sie in der Hitze besonders verletzlich:

1. Unreife Thermoregulation Das Schwitz-System ist bei Fohlen erst nach einigen Wochen voll funktionsfähig. Vorher reagiert der kleine Körper deutlich schlechter auf Hitzestress.

2. Empfindliche Haut Die Haut von Fohlen ist dünner und sensibler als die ausgewachsener Pferde. Besonders an unpigmentierten Stellen droht Sonnenbrand.

3. Höhere Stoffwechselrate Fohlen produzieren mehr Körperwärme pro Kilo Körpergewicht als ausgewachsene Pferde – sie erhitzen schneller.

4. Schwächeres Immunsystem Hitze + Stress + unreifes Immunsystem ist eine kritische Kombination für Infektionen.

5. Größeres Verhältnis Hautoberfläche zu Volumen Was eigentlich bei der Kühlung helfen sollte, wird zum Problem: Fohlen verlieren auch Feuchtigkeit schneller und können schneller dehydrieren.

6. Abhängigkeit von der Stute Trinkverhalten und Bewegungsmuster richten sich nach der Mutterstute. Wenn diese zurückhaltend trinkt oder zu wenig Milch produziert, leidet das Fohlen mit.

Symptome erkennen: Wann es deinem Fohlen zu heiß ist

Fohlen zeigen Hitzestress oft anders als erwachsene Pferde. Diese Anzeichen solltest du kennen:

Frühe Warnzeichen

          Vermehrtes Liegen – mehr als die normalen Ruhephasen

          Reduziertes Spielen – sonst quirlige Fohlen werden träge

          Schwitzen am Hals und hinter den Ohren (typische Fohlen-Stellen)

          Vermehrte Atmung ohne Belastung

          Reduziertes Trinken an der Stute

          Apathie und ungewöhnliche Ruhe

Akute Warnzeichen – Tierarzt rufen!

          Atemfrequenz über 40/Min in Ruhe (normal bei Fohlen: 12–25/Min)

          Körpertemperatur über 39,5 °C (normal bei Fohlen: 37,5–38,5 °C)

          Schwankender Gang oder Stehprobleme

          Eingesunkene Augen

          Trockene Schleimhäute im Maul

          Hautfaltentest positiv (Haut springt nicht sofort zurück)

          Plötzliche Lethargie trotz Hitze

Wichtig: Bei Fohlen geht es noch schneller als bei erwachsenen Pferden. Was bei einem 600-kg-Pferd noch eine warnungswürdige Belastung ist, kann beim 50-kg-Fohlen schon kritisch sein. Lieber einmal zu früh den Tierarzt anrufen.

Die wichtigsten Schutzmaßnahmen für Fohlen

Schatten ist unverhandelbar

Fohlen brauchen dauerhaft Zugang zu Schatten. Das gilt auch auf der Weide:

          Bäume mit dichter Krone als natürlicher Schatten

          Unterstand mit Wänden und guter Belüftung

          Sonnensegel über Teilen der Weide

          Tagesbox mit kühler Innenseite während der Mittagshitze

          Wechselzonen zwischen Schatten und Licht ermöglichen

Profi-Tipp: Beobachte, wo das Fohlen sich freiwillig hinlegt – meist ist das der für ihn angenehmste Platz. Diese Bereiche kannst du bei Hitzewellen besonders pflegen.

Sonnenschutz – das vergessene Thema

Vor allem Fohlen mit hellen oder unpigmentierten Hautstellen (rosa Maul, helle Augenpartie, weiße Beine) sind sonnenbrand-gefährdet. Folgen können sein:

          Akuter Sonnenbrand – rote, schmerzende Haut

          Photosensibilisierung – verstärkte Hautreaktion auf UV-Licht

          Chronische Hautprobleme – langfristige Schäden möglich

Was hilft gegen Sonnenbrand bei Fohlen?

          Sonnenschutzcreme für Pferde (am Maul, an hellen Stellen)

          Fliegenmaske mit UV-Schutz – auch für Fohlen erhältlich

          Schattige Stallphasen während der Mittagshitze

          Lange Mähne und Schopf belassen (natürlicher UV-Schutz)

Tränken und Trinken

Fohlen trinken in den ersten 4–6 Lebensmonaten hauptsächlich Stutenmilch. Nach und nach lernen sie, auch Wasser aufzunehmen. In der Hitze ist es besonders wichtig:

          Erreichbare Tränken für das Fohlen (niedrig montierte Eimer)

          Saubere, kühles Wasser – Fohlen sind wählerisch

          Mehrfach täglich frisches Wasser – Verschmutzungen sofort entfernen

          Stute beim Trinken beobachten – sie animiert das Fohlen

Insektenschutz für die Kleinsten

Insekten machen Fohlen ebenso zu schaffen wie ausgewachsenen Pferden. Aber: Nicht jedes Repellent ist für Fohlen geeignet!

Was bei Fohlen erlaubt ist: - Mechanischer Schutz (Decke, Maske) – die sicherste Option - Hausmittel (sehr verdünnter Apfelessig) - Schutzcremes auf Pflanzenöl-Basis

Was vorsichtig zu prüfen ist: - Chemische Repellents – immer den Hersteller-Hinweis lesen - DEET-haltige Sprays für Fohlen meist ungeeignet - Ätherische Öle in hoher Konzentration können reizen

Wichtig: Bei Sprays immer den Hersteller-Hinweis zur Anwendung bei Fohlen lesen. Im Zweifel den Tierarzt konsultieren.

Top-Empfehlungen für Fohlenschutz

Bucas Fohlendecke 50g Foal Turnout – Robuste Decke mit mitwachsender Funktion. Wasserdicht, atmungsaktiv, mit Reflektorstreifen.

Waldhausen Outdoordecke Fohlen 100g – Mit Bauchlatz und schweißabsorbierendem Innenfutter. Stufenlos verstellbare Frontverschlüsse für mitwachsende Fohlen.

Fliegenmaske in Fohlengröße – Wichtig: gute Passform, weiches Material, keine scharfen Kanten.

Engmaschige Fliegendecke – Auch für junge Pferde, in passender Größe gewählt.

Die Mutterstute: Wer sie versorgt, versorgt das Fohlen

Eine laktierende Stute hat einen enorm erhöhten Nähr- und Wasserbedarf. In der Hitze wird das zur kritischen Größe.

Was die Stute besonders braucht

          Doppelte Wasserzufuhr – bis zu 80 Liter pro Tag bei laktierenden Stuten

          Hochwertige Eiweißquellen für die Milchproduktion

          Mineralien und Spurenelemente für sich und das Fohlen

          Stressfreie Umgebung – nervöse Stuten geben weniger Milch

          Insektenschutz für sich und das Fohlen

Fütterung der Mutterstute

          Hochwertiges Heu – das Fohlen knabbert mit

          Stutenmüsli oder Aufzuchtfutter für ausreichend Protein und Energie

          Mineralfutter zur Versorgung

          Bierhefe als natürliche B-Vitamin-Quelle

          Eingeweichte Heucobs als zusätzliche Wasserquelle

          Mash mit reichlich Wasser für die Flüssigkeitsversorgung

Top-Empfehlungen für Mutterstuten

Höveler Summer Mash – Ideal für laktierende Stuten in der Hitze: zusätzliche Flüssigkeit, Elektrolyte, schonende Verdauung. Lässt sich auch kalt anrühren.

Effol Elektrolyt-Syrup – Bei starkem Schwitzen oder besonderer Belastung der Stute.

Nature’s Best Salz-Leckstein Himalaya – Mineral-Grundversorgung. Wichtig: in niedriger Höhe anbringen, sodass auch das Fohlen mitnaschen kann.

Fohlen-Tagesablauf in der Hitze

Ein angepasster Tagesablauf hilft enorm. So sieht der ideale Sommertag für Stute und Fohlen aus:

Morgens (5:00–9:00 Uhr)

          Hauptweidegang-Zeit – noch kühl, frisches Gras

          Erste Hauptmahlzeit für die Stute

          Fohlen beobachten – wirkt es fit und aktiv?

          Wasserzufuhr prüfen

Vormittag (9:00–12:00 Uhr)

          Stute und Fohlen langsam in den kühleren Stallbereich

          Schattige Auslauf bei guter Belüftung

          Insektenschutz auffrischen

Mittag (12:00–17:00 Uhr)

          Komplette Ruhephase in Box oder schattigem Unterstand

          Ventilator ein für gute Luftzirkulation

          Wasservorrat zugänglich

          Stute melken nicht aktiv stimulieren – Fohlen entscheidet, wann es trinkt

Abend (17:00–22:00 Uhr)

          Zweite Weide-Phase

          Spielzeit für das Fohlen

          Hauptfütterung für die Stute am späten Abend

Nacht

          Nachtweide in der heißen Saison oft die beste Lösung

          Falls Stallhaltung: Boxen geöffnet für gute Luftzirkulation

          Wasser für die Nacht bereitstellen

Fohlen-Anweiden: Worauf du achten musst

Die Umstellung von Stutenmilch auf Festfutter und Gras passiert schrittweise. In der Hitze sind ein paar Punkte besonders wichtig:

Schritt für Schritt

          Ab 6–8 Wochen beginnen die meisten Fohlen, an Heu und Gras zu knabbern

          Ab 3–4 Monaten wird die Festnahrung wichtiger

          Schrittweise Steigerung – nicht zu schnell zu viel Gras

          Kontinuierliche Bewegung ist wichtig für die Darmflora

Was zu beachten ist

          Frühes Gras ist proteinreich, aber auch fruktanhaltig

          Fohlen-Heu mit guter Qualität bereitstellen

          Mineralien zusätzlich anbieten

          Trinkverhalten beobachten

Vorsicht bei Hitze

Genau wie ältere Pferde können auch Fohlen bei Hitze Verdauungsprobleme entwickeln. Wichtige Warnzeichen:

          Durchfall

          Aufgeblähter Bauch

          Verweigerung von Festfutter

          Reduziertes Trinken an der Stute

Bei Anzeichen sofort Tierarzt informieren.

Bewegung und Spielen im Sommer

Fohlen brauchen viel Bewegung – das ist wichtig für die Entwicklung von Sehnen, Knochen und Muskeln. In der Hitze gilt aber:

          Bewegung in den kühlen Stunden fördern

          Spielen mit Artgenossen in der Herde ermöglichen

          Mittags nicht aktiv animieren – Selbstregulation überlassen

          Auf Erschöpfungssignale achten

Tipp: Fohlen wissen oft selbst am besten, was gut für sie ist. Wenn ein Fohlen sich an einen schattigen Platz legt und ruht, lass es ruhen – das ist kein Anzeichen von Faulheit, sondern weise Selbstregulation.

Junge Pferde (1–3 Jahre) in der Hitze

Auch über das Fohlenalter hinaus brauchen junge Pferde besondere Aufmerksamkeit. Sie sind zwar robuster als Fohlen, aber noch nicht so widerstandsfähig wie ausgewachsene Pferde.

Besonderheiten bei Jungpferden

          Wachstumsschübe beanspruchen den Körper extra

          Gelenkknorpel sind noch nicht voll ausgereift

          Stoffwechsel ist sensibler als bei erwachsenen Pferden

          Sozialer Stress durch Herdenwechsel oft kombiniert

Schutzmaßnahmen

          Angepasste Bewegung – keine Höchstleistungen in der Hitze

          Ausreichende Mineralien und Spurenelemente für das Wachstum

          Stressfreie Umgebung – Hitze ist schon Stress genug

          Engmaschige Beobachtung in Hitzewellen

Top-Empfehlungen für Jungpferde

Aufzuchtfutter – speziell für junge Pferde, mit allen Wachstums-Nährstoffen

Stiefel Mangan Plus – Unterstützt Bindegewebe und Gelenke in der Wachstumsphase

Höveler Reformin Plus Mineralfutter – Für die optimale Mineralisierung wachsender Pferde

Notfall-Checkliste für Stute mit Fohlen

Eine Mutterstute mit Fohlen braucht eine besondere Notfallausstattung. Diese solltest du bereithalten:

          ✅ Mehrere niedrige Tränken/Eimer

          ✅ Thermometer (digital, schnell)

          ✅ Tierarzt-Nummer für 24/7

          ✅ Fohlen-Notfallnummer (Geburtshilfe / Pferdeklinik)

          ✅ Elektrolyte (für die Stute)

          ✅ Insektenschutz für beide

          ✅ Mash für die Stute

          ✅ Schattiger Liegeplatz mit weicher Einstreu

          ✅ Ventilator

          ✅ Helfer-Liste mit Notfallkontakten

FAQ: Fohlen und Jungpferde in der Hitze

Ab welcher Temperatur ist es für Fohlen gefährlich?

Schon ab 28–30 °C wird es für Fohlen kritisch – besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit. Ihre Wärmeregulation ist noch nicht voll ausgereift.

Wie lange darf ein Fohlen in der Sonne stehen?

In der direkten Mittagssonne (12–17 Uhr) so kurz wie möglich. Stelle sicher, dass das Fohlen immer Zugang zu Schatten hat und selbst entscheiden kann, wo es sich aufhält.

Brauchen Fohlen im Sommer eine Decke?

In der Regel nein. Decken werden für Fohlen eher bei kühlem Wetter oder Regen gebraucht. Für die Hitze sind Schatten und Belüftung wichtiger als Bekleidung. Bei sonnigen Tagen kann eine leichte Fliegen-Ekzemerdecke allerdings vor Insekten schützen.

Wie erkenne ich, dass mein Fohlen Sonnenbrand hat?

Rote, warme Hautstellen, besonders an unpigmentierten Bereichen (rosa Nase, helle Beine, weiße Stellen am Bauch). Das Fohlen zeigt Berührungsempfindlichkeit und meidet die Sonne.

Welche Insektensprays sind für Fohlen geeignet?

Immer den Hersteller-Hinweis lesen – manche Sprays sind erst ab einem bestimmten Alter zugelassen. Im Zweifel den Tierarzt fragen. Mechanischer Schutz durch Decke und Maske ist die sicherste Option.

Mein Fohlen trinkt nicht aus der Tränke – ist das normal?

In den ersten Lebensmonaten trinken Fohlen hauptsächlich Stutenmilch. Sie probieren Wasser erst nach und nach. Wichtig: Trinkwasser muss immer verfügbar sein, in einer für das Fohlen erreichbaren Höhe.

Wie viel mehr trinkt eine laktierende Stute in der Hitze?

Während eine normale Stute 30–40 Liter pro Tag trinkt, kann eine laktierende Stute in der Hitze 70–80 Liter brauchen. Bei akuten Hitzewellen sogar bis zu 100 Liter.

Soll ich mein Fohlen in der Hitze waschen oder duschen?

Vorsichtig ja – allerdings nicht mit eiskaltem Wasser direkt aus dem Schlauch. Lieber lauwarmes Wasser und nur die Beine und den Bauch. Den Kopf nicht direkt anstrahlen.

Wann sollte ich mit dem Anweiden meines Fohlens beginnen?

Fohlen knabbern schon ab 6–8 Wochen an Heu und Gras. Aktiv „angeweidet” wird nicht – sie lernen es von der Stute. Wichtig ist nur: gute Qualität von Heu und Gras, keine Schimmelpilze, ausreichende Mineralisierung.

Welche Anzeichen weisen auf einen Hitzschlag beim Fohlen hin?

Sehr hohe Körpertemperatur (über 39,5 °C), Apathie, Schwächeanfälle, eingesunkene Augen, trockene Schleimhäute. Bei Verdacht sofort Tierarzt rufen und das Fohlen kühl stellen.

Sollte ich mein Jungpferd in der Hitze schon trainieren?

Bei Jungpferden in Anreitphase vorsichtig sein. Kurze Trainingseinheiten in den kühlen Stunden sind okay – aber kein Vollkonditionstraining. Wachsende Pferde brauchen mehr Erholungszeit als ausgewachsene.

Fazit: Junge Pferde brauchen besondere Liebe in der Hitze

Eine Hitzewelle ist für Fohlen und Jungpferde eine echte Herausforderung – aber mit der richtigen Vorbereitung gut zu meistern. Wichtig sind Schatten, ausreichend Wasser für Stute und Fohlen, gezielter Sonnen- und Insektenschutz sowie eine engmaschige Beobachtung. Wer früh handelt, kann den jüngsten Pferden einen wunderschönen, entspannten Sommer ermöglichen.

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Damit endet unser dreiteiliger Hitzewellen-Guide. Hast du Teil 1 (Grundlagen) und Teil 2 (Senioren und kranke Pferde) schon gelesen? Dann hast du jetzt das komplette Wissen, um deine Pferde – egal in welchem Alter und mit welcher Vorgeschichte – sicher durch heiße Sommer zu bringen. Wir wünschen dir und deinen Pferden einen entspannten, sicheren Sommer! 🐎